Boston

Bos|ton 〈[bɔ̣stn]〉
I 〈n. 15Kartenspiel zu vier Spielern (mit 104 Whistkarten)
II 〈m. 6langsamer amerikan. Walzer
[nach der Stadt Boston, Hauptstadt des Staates Massachusetts, USA]

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1Bos|ton ['bɔstən ]:
Stadt in England u. in den USA.
2Bọs|ton , das; -s:
Kartenspiel mit Whistkarten, an dem 4 Spieler(innen) teilnehmen.
3Bọs|ton , der; -s, -s:
amerikanischer langsamer Walzer.

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I
Boston
 
[amerikanisch, 'bstn], nach der gleichnamigen nordamerikanischen Stadt benannter Gesellschaftstanz; Kurzform für Valse Boston; bildete sich nach 1875 als langsame Variante des Wiener Walzers in den USA heraus. Er stellte ein Gegengewicht zu den zahlreichen schnellen Tanzformen jener Zeit (z. B. Ragtime und Cakewalk) dar. Die für den Wiener Walzer typische Kreisbewegung der Tänzer musste im Boston einem dem Tanzgefühl dieser Zeit entsprechenden Vorwärtsschreiten weichen. 1903 tanzte man den Boston bereits in London und Paris, bald avancierte er zum Modetanz besonders der oberen Gesellschaftsschichten und verdrängte auch in Europa den traditionsreichen Wiener Walzer. Als jedoch in England ein anderer Typ des langsamen Walzers (English Waltz) mit einfacherer Schrittfolge vorgestellt wurde, konnte sich der Boston nur noch kurze Zeit behaupten. In England verschwand er bereits um 1914, in Deutschland etwa zehn Jahre später. Charakteristisch für die Musik (bevorzugt in Moll) sind große Melodiebögen, teilweise sentimental anmutend, die auch ausdrucksvoll mit bewussten geringfügigen Tempoveränderungen interpretiert wurden, sodass für die Tanzenden ein ständiges Mithören und Hineinfühlen notwendig war, um »im Takt« zu bleiben. Hemiolenbildung (Hemiole) in der Melodie nutzten die Komponisten häufig, um der auf die Dauer einförmigen Betonung der ersten Zählzeit des Taktes zu entgehen. Die Zeit überdauernde Bostons waren z. B. »Destiny« (Sidney Baynes, 1913) und »Millions d'Arlequin« (Ricardo Drigo, 1919).
 
II
Boston
 
['bɔstən],
 
 1) das, -s, veraltetes Kartenspiel mit 52 Blatt für vier Personen; während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges erfunden, Mitte des 19. Jahrhunderts durch Bridge verdrängt.
 
 2) der, -s/-s, eigentlich Valse Boston [wɔːls -] oder Waltz Boston [wɔːls -], amerikanischer langsamer Walzer mit lyrischer Melodik, der nach 1870 aufkam und besonders um 1920 in Europa beliebt war; dem Englishwaltz verwandt. Der Boston wird mit gleitenden Schritten in Vorwärtsbewegung getanzt. Von P. Hindemith in die Kunstmusik eingeführt (»Suite 1922« für Klavier).
 
III
Boston
 
['bɔstən],
 
 1) Hafenstadt in der County Lincolnshire, Ostengland, oberhalb der Mündung des Witham in den Wash, 34 600 Einwohner; Marktort mit Nahrungsmittel-, Textil- und Holz verarbeitender Industrie, Maschinenbau, Düngemittelfabrik, Großdruckerei; Handels- und Fischereihafen.
 
 
Die Pfarrkirche Saint Botolph wurde 1309 als lang gestreckte Basilika begonnen, der Westturm um 1500 errichtet. Sehenswert auch Guildhall (15. Jahrhundert, verändert) und Fydell House (1726).
 
 
Im Mittelalter wichtigste Hafenstadt an der Ostküste mit Niederlassung der Hanse.
 
 2) Hauptstadt des Bundesstaates Massachusetts, USA, an der Massachusetts Bay des Atlantiks, (1998) 555 000 Einwohner (1950: 801 400, 1970: 641 000), die Metropolitan Area hat (1999) 5,67 Mio. Einwohner; Sitz eines katholischen Erzbischofs und eines anglikanischen Bischofs. Boston ist das geistige Zentrum der Neuenglandstaaten, mit vier Universitäten (außerdem im benachbarten Cambridge die Harvard University und das Massachusetts Institute of Technology), Colleges, Boston Museum of Fine Arts, Planetarium, Aquarium. Boston ist ein bedeutendes Finanzzentrum und ein wichtiger Hafen der USA sowie Handelsplatz für Wolle und Fisch und ein führendes Zentrum des Verlagswesens. Zu verzeichnen ist ein deutlicher Strukturwandel von den traditionellen Industriezweigen (Schiff- und Maschinenbau, Herstellung von Bekleidung und Lederwaren) hin zum Hochtechnologie- und Dienstleistungsbereich. - Die Ausdehnung der Stadt im 19. und 20. Jahrhundert, die Anlage von Hafeneinrichtungen und Flughafen war nur durch die Aufschüttung der ufernahen Teile der Bucht möglich. In Boston wurde 1897 die erste Untergrundbahn der USA gebaut. Der internationale Flughafen Logan ist durch drei Tunnel mit der Stadt verbunden.
 
 
Zu den zahlreichen Bauwerken der Kolonialzeit gehören Old Corner Book Store (1712, Wohn- und Geschäftshaus, später Verlagshaus), Old State House (1713, ehemaliger Sitz der britischen Kolonialregierung; beherbergt heute eine stadtgeschichtliche Sammlung), Old South Meeting House (1729; heute mit historischem Museum) und Faneuil Hall (1740-42 als Markthalle erbaut). Auf dem Beacon Hill befindet sich das 1795-98 errichtete State House (Regierungsgebäude von Massachusetts; heute mit Archivmuseum), dessen mittlerer, mit einer vergoldeten Kuppel versehene Teil von C. Bulfinch entworfen wurde. H. H. Richardson erbaute 1873-77 die Trinity Church; 1888-92 entstand die Public Library (von McKim, Mead & White; Erweiterungsbau 1971 von P. Johnson). Bauten der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts: u. a. Rathaus (1962-68), State Service Center (1967-72, von P. M. Rudolph), John Hancock Center mit dem 241 m hohen Hancock Tower (1968-75, von I. M. Pei), J. F. Kennedy Library (1977-79, von I. M. Pei), Museums School des Museums of Fine Arts (1986-87), Boston Design Center (1988).
 
 
Boston wurde 1630 von einer Siedlergruppe unter J. Winthrop gegründet und war als Hauptstadt der Massachusetts Bay Colony im 17. Jahrhundert Ausgangspunkt der puritanischen Kolonisation in Massachusetts. Durch Schiffbau und den Handel mit Europa, Afrika und den Westindischen Inseln stieg es bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer bedeutenden Handelsstadt auf. Als Hauptsitz der Opposition gegen das Mutterland wurde Boston zum Schauplatz der Auseinandersetzungen, die den Befreiungskampf der 13 nordamerikanischen Kolonien gegen das britische Mutterland einleiteten (Boston Massacre, 1770; Boston Tea Party, 1773). Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Boston zu einem kulturell-künstlerischen Mittelpunkt sowie zum ersten großen Finanz- und Industriezentrum der USA.
 
 
 
The memorial history of B.. .. 1630-1880, hg. v. J. Winsor, 4 Bde. (Boston, Mass., 1881-83);
 H. C. u. J. Kirker: Bulfinch's B., 1787-1817 (New York 1964);
 M. P. Conzen u. G. K. Lewis: B. A geographical portrait (Cambridge, Mass., 1976);
 
B. architecture. 1975-1990, Beitrr. v. Naomi Miller u. a., hg. v. I. Robson (München 1990).
 

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1Bos|ton ['bɔstən]: Stadt in England u. in den USA.
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2Bọs|ton, das; -s: Kartenspiel mit Whistkarten, an dem 4 Spieler teilnehmen.
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3Bọs|ton, der; -s, -s: amerikanischer langsamer Walzer.

Universal-Lexikon. 2012.

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